Ganztagsbetreuung in Hamburg – Quantität hui, Qualität pfui!

„Das ist kein Grund zum Jubeln.“ Kurz und knapp fasst Gerd Kotoll von der Volksinitiative „Guter Ganztag“ die Reaktion auf die Pressemitteilung aus der Bildungsbehörde zusammen. In dieser lobte Schulsenator Rabe das Wachstum der Schülerzahlen in der ganztägigen Betreuung.

Doch die von Senator Rabe präsentierten Zahlen belegen bestenfalls den wachsenden Bedarf für eine ganztägige Betreuung von Schulkindern in deutschen Großstädten. Experten prognostizieren diese Entwicklung seit Jahren und bereits im Schuljahr 2011/12 nahmen 76,7 % aller Berliner Grundschüler ein Ganztagsangebot an ihrer Schule wahr.

„Allein die Verdoppelung der teilnehmenden Schüler als Maßstab zu nehmen, greift einfach zu kurz. Der Senator macht es sich zu leicht, wenn er nur die Quantität in den Mittelpunkt stellt und die immer noch vorhandenen, teilweise eklatanten Qualitätsmängel klein redet und bemäntelt“, präzisiert Kotoll die Kritik. So seien weder die notwendigen Räume und Flächen im notwendigen Maße geschaffen worden, noch das notwendige qualifizierte Personal vorhanden, um eine hochwertige Betreuung zu gewährleisten. Im Gegenteil: Die Behörde strebt eher einen Abbau von Flächen und Räumen an.

„Auch die Kantinensituation ist an den meisten Standorten der Grundschulen, die Ganztagsbetreuung anbieten, immer noch nicht zufriedenstellend gelöst und wird nur durch ein mittlerweile eingeübtes Provisorium aufgefangen. Dies jedoch als „Anlaufschwierigkeiten“ darzustellen, wird weder der Sache noch den Kindern gerecht“, ergänzt Christian Martens von der Volksinitiative. „Der Bau von fehlenden Kantinen ist nur Teil des Problems“, so Martens weiter.

Während die Initiative zugesteht, dass das Personalproblem mangels vorhandenem Angebot nur schwer kurzfristig zu verbessern ist, sieht sie deutlichen Handlungsbedarf bei den Ganztags-Flächen. „Das betrifft nicht nur die Räume, sondern eben auch die Schulhöfe. Der Senator erklärt in seiner Pressemitteilung ausdrücklich, dass die Schülerzahlen weiter ansteigen werden, insbesondere in Altona und Eimsbüttel. Damit werden auch mehr Schüler die Ganztagsangebote nutzen. Wenn die Behörde aber vor diesem Hintergrund konkret plant, zum Beispiel den Schulhof der St.-Nikolai-Schule in Eppendorf zu verkleinern, dann wird offenbar, dass nicht der Schulsenator entscheidet, sondern sein Kollege aus der Finanzbehörde“, führt Kotoll aus.

Ebenso bezeichnend sei es, so Kotoll weiter, dass die Behördenverlautbarung zur inhaltlichen Qualität der Ganztagsbetreuung weiterhin keine konkreten Aussagen macht: Masse statt Klasse.

 

Kontakt:

Gerd Kotoll

kontakt@guter-ganztag.de

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