Kündigungen an GBS-Schulen offenbaren systemische Mängel

Im Ganztag an Hamburgs Schulen rumort es deutlich. Das zeigen die aktuellen Nachforschungen, die DIE LINKE aufgrund einer offensichtlich falsch beantworteten Schriftlichen Kleinen Anfrage angestellt hat. Auf Nachfrage behauptete die Behörde, es lägen keine Kündigungen von Jugendhilfeträgern durch Schulen vor, obwohl aktuell offenbar mehrere Kündigungen zum Schuljahresende ausgesprochen wurden.

„Natürlich hakt es, wenn man ein System neu implementiert. Doch aus Fehlern muss man lernen und darf sie nicht einfach unter den Teppich kehren“, fordert Gerd Kotoll von der Volksinitiative Guter Ganztag für Hamburgs Kinder. „Eltern weisen seit langem massiv auf systemische Probleme hin. Bislang tat Schulsenator Rabe diese Kritik ab und beruhigte sich mit steigenden Anmeldezahlen“.

Mit den aktuellen Kündigungen von Jugendhilfe durch Schule können diese Probleme nun nicht länger negiert werden. Die Schulbehörde muss die Zahl offenlegen und Gründe evaluieren.

Christina Dwenger vom „Guten Ganztag“ erklärt: „Die Probleme sind längst bekannt. Reibungspunkte durch die gemeinsam genutzten Räume, Personalnot aufgrund der unattraktiven Arbeitsstellen und nicht ausreichend finanzierte Kooperationszeiten finden sich in allen Kündigungsfällen. Das beklagen alle Standorte, egal ob GBS oder GTS – System. Es kommt in beiden Hamburger Ganztagssystemen zu erheblichen Schwierigkeiten.“

„Die Probleme im Ganztag treten an GBS-Schulen schneller offen zu Tage. Hier sollen mit Jugendhilfe und Schule zwei unterschiedliche Systeme unter Schulaufsicht kooperieren. Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, ist es einfach, das Problem beim Träger zu sehen. Er wird damit schnell zum Schwarzen Peter. Dabei zeigt sich hier an der Verbindung zwischen Jugendhilfe und Schule, unter welch schweren Bedingungen die Menschen den Ganztag gestalten müssen. Dies spricht aber nicht gegen die Idee von GBS, die wertvolle pädagogische Impulse in Schulen trägt“, erläutert Ulrike Dockhorn, Mitinitiatorin. „In GTS arbeiten Erzieher als Angestellte der Schule. Kulturelle Konflikte zwischen Schule und Erziehern können hier viel leichter als singuläres Personalproblem unter den Teppich gekehrt werden.“

Die Volksinitiative „Guter Ganztag“ fordert für die Ganztagsschulen eine bessere Ausstattung. Die Forderungen nach mehr und besser ausgestatteten Räumen, attraktiveren Arbeitsbedingungen durch mehr Stunden für Erzieher und einem besseren Betreuungsschlüssel sind Grundlage für einen guten Ganztag. Zudem braucht es rechtliche Rahmenbedingungen, die allen Beteiligten ein Arbeiten auf Augenhöhe ermöglichen.

„Derzeit sind wir mit den Regierungsfraktionen in Verhandlungsgesprächen“, fügt Manja Scheibner hinzu. „Die aktuellen Kündigungssituationen zeigen dabei die dringliche Notwendigkeit, hier zu einem guten Ergebnis zu kommen. Erst wenn der Rahmen für GBS und GTS stimmt, kann sich darin die Qualität zuverlässig weiterentwickeln.“

Führen die Verhandlungen mit dem Senat zu keinem akzeptablen Ergebnis, wird die Volksinitiative im Mai das Volksbegehren anmelden. Die Sammelfrist für die Unterschriften beginnt dann nach den Sommerferien im September.

Kontakt:

Christina Dwenger

Guter Ganztag für Hamburgs Kinder
Kleiner Kielort 8, 20144 Hamburg
Email: kontakt@guter-ganztag.de

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