„Nebelkerzen zum Schuljahresbeginn“

„Mehr Baustellen in der Schulorganisation als auf Hamburgs Straßen“

„Das ist eine Nebelkerze, die den Blick auf die tatsächliche Situation mit zahlreichen Mängeln überdecken soll!“, so kommentiert Gerd Kotoll von der Volksinitiative Guter Ganztag die gestrige Presseverlautbarung der Hamburger Schulbehörde.

„Dass ein Senator die hohe Teilnahmequote an der Ganztagsbetreuung lobt, hat schon einen besonderen Geschmack, wenn dieser Senator einem Senat angehört, der die Unterstützung einer alternativen Betreuung gerade höchstrichterlich zu Fall gebracht hat. „Tatsächlich haben berufstätige Eltern in Hamburg praktisch keine andere Wahl, als die Betreuung der Kinder auch nach dem Unterricht der Schule zu überlassen!“, so Kotoll weiter.
„Dabei sehen wir die vorhandenen Wahlmöglichkeiten in der Ganztagsbetreuung grundsätzlich positiv“, betont Manja Scheibner von der Volksinitiative Guter Ganztag. „Allerdings kritisieren wir deutlich, dass der Senat offenbar keinerlei Verbesserungen in den Rahmenbedingungen vornehmen will, die dringend notwendig wären“.

So ist die Raumsituation an vielen Standorten noch unzureichend, sowohl hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Flächen als auch bei der Ausstattung.

„Die Kinder haben unterschiedliche Bedürfnisse, auf die bei einem langen Schultag eingegangen werden muss. So braucht ein Teil der Kinder eher ruhige Zonen, andere benötigen aber dringend Bewegung und Tobemöglichkeiten – auch bei schlechtem Wetter, nachdem sie den Unterricht meist sitzend verbracht haben“, erläutert Scheibner.

Die durch die Bertelsmann-Studie belegte, schlechte Personalausstattung in den Hamburger Kitas setze sich in der Ganztagsbetreuung nicht nur fort, sondern sei sogar noch schlimmer. Darauf weist Christina Dwenger von der Volksinitiative hin: „Derzeit kommen 23 Kinder auf einen Erzieher oder Sozialpädagogen in der nachmittäglichen Betreuung. Allerdings oft nur auf dem Papier, da die Personalsituation oft schlechter ist. Hohe Fluktuation und damit mangelnde Konstanz als Bezugsperson für die Kinder sind u.a. die negativen Folgen davon. So können auch keine Teams wirklich zusammenwachsen. Die Ursachen liegen in den unattraktiven Arbeitsbedingungen. Wir fordern, dass die Personalressourcen erhöht und eine unterrichtsbegleitende und gemeinsame Arbeit von Erziehern und Lehrern ermöglicht wird, so wie es auch z.B. in Berlin bereits der Fall ist“, erläutert Dwenger.

Wie weit die Hamburger Ganztagsbetreuung noch von durchgehend guter Qualität entfernt sei, macht Kotoll am Beispiel der Inklusion deutlich: „Sonderschulen erhalten erst mit Beginn dieses Schuljahres Ganztagsangebote. Aber auch an den Regelschulen ist die Inklusion am Nachmittag hinsichtlich einer entsprechenden Ausstattung noch nicht angekommen. Die Kinder mit Inklusionsbedarf sind aber dennoch da.“ So müssten sich die Träger und Schulen in der Nachmittagsbetreuung mit Bordmitteln helfen, um den Herausforderungen der Inklusion zu begegnen. Das aber kann keine Dauerlösung sein, zumal auch die Betreuung der Flüchtlingskinder eine neue Herausforderung darstellt.
Aus diesen Gründen macht die Initiative Guter Ganztag nun Druck, um qualitative Verbesserungen herbeizuführen. Im ersten Schritt sammelt die Initiative bis zum 6. Oktober Unterschriften von mindestens 10.000 wahlberechtigten Hamburgern.

Rückfragen richten Sie bitte an:

Volksinitiative „Guter Ganztag“
www.guter-ganztag.de
Christina Dwenger
(Tel.: 0179-399 99 33)
kontakt@guter-ganztag.de

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