Raumeinsparungen an Schulen zu Lasten von Kindern mit Behinderungen?

Aufgeschoben und nicht aufgehoben: Abmietung der Räume an der Inklusions‐Schwerpunktschule Moorflagen ist noch nicht aus der Welt

  • Inklusion und Ganztag müssen räumlich abgebildet werden
  • Volksinitiative unterstützt Forderungen des Elternrats Moorflagen
  • Kinder müssen im Mittelpunkt der politischen Entscheidungen stehen

Hamburg, 31. Mai 2016: „Wenn die Stadt Hamburg es noch nicht einmal schafft, Inklusion an den Schwerpunktschulen mit ausreichenden Mitteln zu versehen, dann ist das ein echtes Armutszeugnis“, sagt Manja Scheibner, Vertrauensperson der Volksinitiative GUTER GANZTAG
FÜR HAMBURGS KINDER und ergänzt: „An der Niendorfer Grundschule Moorflagen, einer Schwerpunktschule für Kinder mit besonderem Förderbedarf, sollte nach den Ferien ein ganzes Gebäude der Schule entzogen werden. Das hätte insbesondere Kindern mit
körperlichen und geistigen Behinderungen die Teilnahme am Ganztag unmöglich gemacht, die auf Therapie‐und Rückzugsräume essenziell angewiesen sind.“

Zwar wird die Abmietung der Räume zunächst, solange die Sanierungsmaßnahmen laufen, verschoben, doch wurden die Pläne nicht generell aufgehoben. „Das Problem dieser Schule ist nicht die vorhandene Fläche, sondern es sind die fehlenden Räume. Dennoch wird drauf keine Rücksicht genommen. An diesen Einsparungen sehen wir, dass nicht die Kinder im Mittelpunkt der Entwicklung an Schule stehen, sondern finanzielle Aspekte“, ärgert sich auch Gerd Kotoll von der Initiative. „Es macht fast den Eindruck, der Schulsenator hat nur aus taktischen Gründen die Abmietung des Gebäudes an der Schule Moorflagen verschoben.“

„Am Beispiel dieser Schule sehen wir das strukturelle Problem von Inklusion und Ganztag in Hamburg“, sagt Christina Dwenger von der Initiative Guter Ganztag. „ Generell brauchen alle Kinder Rückzugs‐, Tobe‐ und Spielräume. Und selbstverständlich muss es auch Therapieräume
an Schulen geben, wenn Kinder sie brauchen. Darum fordern wir die Behörde auf, das Recht der Kinder auf diese Räume auch im Musterflächenprogramm zu verankern.“

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Hintergrund: Das zugrunde liegende Musterflächenprogramm trat ab 2012 in Kraft, auf dessen Grundlage nun alle Schulneubauten konzipiert und Bestandsbauten vermessen wurden. Damit einhergehend erfolgte eine Flächenreduzierung von durchschnittlich 10%. Durch dieses Programm
werden nun alle Schulen gleich behandelt, unabhängig von Schwerpunkten wie Inklusion oder anderen Profilen. Gerade in älteren Bestandsgebäuden sind die Raumaufteilung und Flächenverteilung ungünstig und noch immer an Halbtagsschulen orientiert. Daher fordert die Volksinitiative, dass die Bedürfnisse von Kindern im Ganztag nach Rückzug, Bewegung und Spiel auch dort gewährleistet werden muss, wo Schulen theoretisch zu viel Flächen haben, diese aber nur eingeschränkt nutzen können.

Ganzheitliche und ganztägige Bildung und Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung bedarf einer hohen Qualität und einer guten Finanzierung. Jede Schule, an der sich Kinder von morgens bis abends aufhalten, muss dafür ausgestattet sein. Für das Hamburg fordert Guter Ganztag deshalb:

  • mehr und geeignetere Räume
  • mehr Personal
  • frisches Essen
  • Kooperation auf Augenhöhe

Nachdem die Volksinitiative im vergangenen Jahr 15.000 gültige Unterschriften für eine bessere Qualität im Ganztag an Schulen gesammelt hatte, meldete sie nun am 25. Mai 2016 das Volksbegehren an. Sollten die laufenden Verhandlungen mit den Regierungsfraktionen kein
akzeptables Ergebnis mit sich bringen, wird die Initiative nach den Sommerferien rund 65.000 Unterschriften innerhalb von 3 Wochen für das Zustandekommen des Volksbegehrens sammeln.

Pressekontakt:
Volksinitiative „Guter Ganztag“
Christina Dwenger
Tel.: 0179‐399 99 33
kontakt@guter‐ganztag.de
www.guter‐ganztag.de

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