Personal

Besserer Erzieher-Kind-Schlüssel

Unsere Forderung:

Ich fordere Bürgerschaft und Senat auf, einen verbesserten Erzieher*-Kind-Schlüssel von 1:15 für die Regelbetreuung bis 18 Uhr an den Schulen mit KESS-Faktor 3-6 sowie 1:11 an allen Standorten mit dem KESS-Faktor 1-2 und an Sonder-/Förderschulen zu gewährleisten. Alle Standorte müssen eine Besetzung im Vor- und Nachmittag mit Erziehern und Sonderpädagogen gewährleisten, die dem tatsächlichen Betreuungs- und Förderbedarf, auch der Kinder mit besonderem Förderbedarf, entspricht. Darüber hinaus fordere ich Rahmenbedingungen, die Vollzeitverträge für Erzieher in der ganztägigen Bildung für den unterrichtsbegleitenden Einsatz am Vormittag ermöglichen.

Zur Erläuterung:

Die personelle Ausstattung ist mit einem Schlüssel von idR  1:23 absolut unzureichend!  Kinder, die den ganzen Tag an Schulen verbringen, haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse und benötigen individuellere Angebote sowie Bezugspersonen, die auch genug Zeit haben, sich ihnen widmen zu können.

Davon abgesehen, solange Ganztagschulen noch Hausaufgaben aufgeben, müssen diese auch kompetent betreut werden. Es kann nicht sein, dass Erzieher nur noch in die Rolle von Aufsichtspersonen gedrängt werden, weil eine individuellere Begleitung in den großen Gruppen gar nicht möglich ist.
Ja, ganztägige Betreuung an Schulen bedeutet eine große Chance, gerade für die Kinder, die zu Hause keine Unterstützung in ihrer Entwicklung erfahren. Aber diese Chance ist nur nutzbar, wenn genügend gut ausgebildete Betreuungspersonen die Bedürfnisse dieser Kinder erkennen und stillen können.

Um ganztägige Bildung zu gewährleisten, müssen Vor- und Nachmittag stärker zusammenwachsen. Das gilt für GBS ebenso wie für GTS. Und das funktioniert nur, wenn Erzieher und Lehrer gemeinsame Zeiten mit den Kindern haben. Eine Möglichkeit: Erzieherinnen und Erzieher auch in den Unterricht einzubinden. Dies würde auch die Möglichkeit auf Vollzeitverträge für Erzieher bieten und damit die Arbeitsbedingungen attraktiver gestalten, so wie es zB. in Berlin bereits der Fall ist. Die hohe Mitarbeiterfluktuation in GBS und GTS führt zu dauernd wechselnden Bezugspersonen, der große Erziehermangel verschärft das Problem. Hier muss die Stadt dafür sorgen, dass der Arbeitsplatz im Ganztag attraktiver wird. Wer kann von einem 20 Stunden Erziehergehalt leben? Mit einer Option auf Vollzeitverträge wird der Arbeitsvertrag und mit einem verbesserten Erzieher-Kind-Schlüssel der Arbeitsplatz attraktiver.

Warum fordern wir zwei unterschiedliche Erzieher-Kind-Schlüssel? Der Kessfaktor ist ein Instrument der Schubehörde, mit dem versucht werden soll, unterschiedliche Startbedingungen bei Kindern auszugleichen. Wir orientieren uns mit unserer Forderung an diesem Faktor.

(Kessfaktor oder Sozialindex wurden im Hamburger Schulsystem eingeführt, um einen Nachteilsausgleich zu ermöglichen. Hierbei werden unter andem Einkommen, Bildungsabshluss, Berufstätigkeit und Migrationshintergrund berücksichtigt. Hierbei gilt: Schulen mit Kessfaktor 1-2 erhalten mehr Mittel. Sollten wir mehr Schulen mit einem niedrigen Kessfaktor bekommen, wird das Geld nicht mehr, sondern einfach anders verteilt. Oder auch: Es kann nur eine feste Anzahl an Schulen mit Kessfaktor 1-2 geben. Bekommt die eine Schule ihn, so wird er einer anderen wieder weggenommen. Ein Ergebnis der Pisastudie ist, dass es in Deutschland einen extrem starken Zusammenhang zwischen Testleistungen und sozialer Schichtzugehörigkeit gibt. Kinder, die in einem weniger Bildungsorientiereten Umfeld aufwachsen, haben um ein vielfaches schlechtere Startbedingungen.)

Weitere Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Auswertung_der_PISA-Studien:_Einfluss_des_sozialen_Hintergrunds